Das Reh - Wildtier des Jahres 2019

Rehbock (Bild: Jerzy Strzelecki CC BY 3.0)

 

Die Deutsche Wildtier-Stiftung hat das Reh zum Tier des Jahres 2019 auserkoren, um über die Lebensweise dieser vermeintlich so bekannten Art zu informieren. Dass es sich beim Reh nicht etwa um die Frau des Hirsches sondern um eine eigene Art handelt, dürfte zwar bekannt sein. Darüber hinaus gibt es jedoch durchaus Wissenswertes zu berichten.

 

Das Reh überdauerte die letzte Eiszeit wohl in den locker bewaldeten Steppengebieten Südosteuropas. Heute hat es wieder ganz West- und Mitteleuropa besiedelt. Im Osten reicht die Verbreitung über das westliche Russland bis an das Schwarze Meer, über die Türkei hinaus bis in den Iran. Skandinavien und die nördlichen Mittelmeerländer werden nur sehr lückenhaft besiedelt. In diesem Verbreitungsgebiet werden bevorzugt Strauchheiden, Mischwälder, Waldränder, Kahlschläge und Windwurflächen aber auch strukturreiche Landwirtschaftsflächen besiedelt. So kann man auch in der Feldflur Bad Schönborns häufig Rehe beobachten.

 

Der tägliche Nahrungsbedarf des kleinen Wiederkäuers beträgt etwa 2-4 kg und wird aus jungen Trieben von Gehölzen, verschiedenen Kräutern, Himbeer- und Brombeerblättern sowie Feldfrüchten gedeckt. Gräser spielen nur eine untergeordnete Rolle. Im Herbst ergänzen Baumfrüchte wie Eicheln und Bucheckern das Nahrungsspektrum.

 

Im Winter kann man kleinere bis mittelgroße Gruppen von Rehen in der Feldflur entdecken. Hierbei handelt es sich fast immer um einige Weibchen mit ihren diesjährigen und vorjährigen Jungen, die sich zu einer Äsungsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Erst im Frühjahr gesellt sich ein Bock zu dieser Gruppe. Männliche und weibliche Rehe verhalten sich im Frühjahr wieder sehr einzelgängerisch. Die weiblichen Tiere beanspruchen ein Revier und dulden nur im Randbereich die Kitze aus dem letzten Jahr. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife werden sie vertrieben und müssen sich ein eigenes Revier suchen. Dieses Territorium wird lebenslang gehalten.

 

Bei den männlichen Rehen entwickelt sich mit der Geschlechtsreife aus den kurzen Rosenstöcken ein einstängiges Geweih, das sich im nächsten Jahr zu einem sog. Gabelgeweih entwickelt. Erst im 5. bis 6. Lebensjahr trägt der Bock ein sechsendiges Geweih. Es besteht aus Knochensubstanz und wird im Winter abgeworfen und dann innerhalb weniger Monate neu gebildet. Die männlichen Tiere verhalten sich sehr territorial. Bereits im zeitigen Frühjahr wird das Areal mit Duftmarken und gefegten Büschen markiert und gegenüber Geschlechtsgenossen entschieden verteidigt. Schwächere Böcke müssen abwandern und sich ein eigenes Revier suchen.

 

Die Paarungszeit liegt etwa im August. Inklusive einer 4-monatigen Keimruhe wird das Kitz nach einer Gesamttragzeit von 9 - 9,5 Monaten im folgenden Frühjahr geboren, das Geburtsgewicht beträgt etwa 1,5 – 2,0 kg. Mehrlingsgeburten sind nicht selten, allerdings ist die Verlustrate durch Beutegreifer und Krankheiten recht hoch, sodass nur selten Muttertiere mit Zwillingen führend beobachtet werden. Die Kitze werden versteckt abgelegt und das Muttertier verbleibt in einiger Entfernung zur Beobachtung und zur eigenen Nahrungsaufnahme. Kitze werden mehrmals am Tag gesäugt. Ihr Fell besitzt eine rotbraune Färbung, und ist sehr individuell mit zahlreichen kleinen weißen Punkten versehen. Sie verblassen mit dem Heranwachsen und mit dem ersten Fellwechsel im Herbst sind sie ganz verschwunden. Das graubraune Winterkleid wechselt im Frühjahr in das rotbraune Sommerkleid. Weibliche Tiere erreichen ein Gewicht von 14 - 17 kg. Böcke können deutlich schwerer werden.

 

Rehe sind sehr vorsichtig und zurückhaltend, so dass ihr tatsächlicher Bestand in einer reich strukturierten Landschaft oft unterschätzt wird. Wirtschaftlicher Schaden kann durch Beweiden von Feldkulturen in der Landwirtschaft entstehen. Im Forst werden die jungen Triebe fast aller Baumarten angenommen. Neupflanzungen nach Kahlschlägen werden daher in der Regel eingezäunt. Wird der Umbau in einen standortgerechten Wald beeinträchtigt, so ist eine jagdliche Bestandskontrolle angesagt.

 

Das Reh unterliegt dem Jagdrecht und mit einer jährlichen Jagdstrecke von mehr als 1.000.000 ist die Art in ihrem Bestand nicht gefährdet. Nachdem die natürlichen Feinde des Rehs wie Wolf, Luchs und Bär bis vor wenigen Jahren in Mitteleuropa ausgerottet waren, sind diese zurückkehrenden Beutegreifer heute noch belanglos für den Rehbestand. Ein weitaus größerer Verlustbringer ist der Straßenverkehr mit deutschlandweit geschätzt rund 200.000 toten Rehen jährlich. Neben Wiesenbrütern und zahllosen Kleintieren fallen jedes Jahr im Frühsommer viele Rehkitze der heutigen Form der Wiesenmahd zum Opfer. Auf ihre Tarnung vertrauend ducken sich die jungen Rehe an den Boden, was in der Regel den sicheren Tod bedeutet. Wie diese Verluste minimiert werden können, wurde in einem „Praxisratgeber Mähtod“ zusammengefasst, der kostenlos bei der Deutschen Wildtier-Stiftung bestellt werden kann.

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03.05.2024, 19:00 Uhr

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