Großer Wiesenknopf - Blume des Jahres 2021 

Bestand des Großen Wiesenknopfs am Rande des Kurgebietes in Mingolsheim (CM)

Der Große Wiesenknopf ist eine typische Pflanze der wechselfeuchten, grundwassernahen Nasswiesen und verlandeten Flachmoore. Diese nährstoffarmen Standorte findet man in Norddeutschland nur noch entlang der großen Flüsse wie Ems, Weser und Elbe. In den Mittelgebirgen bis in das Alpenvorland finden wir in den verlandeten Mulden und sickerfeuchten Standorten vergleichbare Biotope. Sie zeichnen sich durch Artenreichtum in der Krautschicht aus und Insekten nutzen das reichhaltige Angebot von Blüten im Jahresverlauf. Amphibien finden hier geeignete Laichplätze und bodenbrütende Vogelarten geeignete Blutplätze in der niedrigen Vegetation. Der Große Wiesenknopf ist eine Pflanzenart der gemäßigten Zonen von Mittel- und Nordeuropa und sein Verbreitungsgebiet zieht sich in einem breiten Streifen bis nach Ostsibirien. Er besiedelt auch geeignete Standorte in Nordamerika. Die Art fehlt dagegen weitgehend in Südeuropa. Der Große Wiesenknopf besitzt einen tiefreichenden, dicken und verholzten Wurzelstock und er kann sich durch Rhizombildung auch vermehren und auf geeigneten Standorten rasch individuenreiche Bestände bilden. Die Pflanze überwintert mit einer bodennahen Blattrosette. Die Blätter sind unpaarig gefiedert und bestehen aus 7-15 Teilblättchen. Diese sind kurzgestielt, verkehrt eiförmig geformt, am Rand tiefgesägt und bis zu 3cm lang.Die Blattoberseite ist dunkelgrün, die Unterseite graugrün gefärbt. Im Juni bis August erwächst aus der Blattrosette ein vielfältig sparrig verzweigter leicht gefurchter Stängel,der mit sitzenden Fiederblättchen versehen ist und etwa eine Höhe von bis zu 1,5 m erreichen kann. Die Verzweigungen tragen ein endständiges dunkelrotes Blütenköpfchen von etwa 3cm Länge. Es setzt sich aus bis zu 40 kleinen, dichtgedrängten Einzelblüten zusammen, die folgernd abblühen. Feuchtwiesen sind das Ergebnis einer jahrhundertelangen Nutzung von weniger produktiven nassen Wiesenflächen. Ein Landschaftelement das in den letzten 50 Jahren mehr als 80% ihrer Flächenausdehnung verloren hat. Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen im Randbereich oder Meliorationsmaßnahmen haben diesen Schwund verursacht. Die Einstellung der regelmäßigen Nutzung führt zu Verwahrlosung dieser Biotope, Schilf stellt sich ein und die Verbuschung dunkelt die niedrige Vegetation aus. Viele Naturschutzbehörden haben den ökologischen Wert solcher Flächen für Flora und Fauna erkannt und begleiten die Bewirtschaftungserschwernisse mit einem Beihilfeprogramm und einem Pflegeplan. Teilnehmen können öffentliche wie ehrenamtliche Naturschutzorganisationen ebenso wie Privatpersonen. Die Unterschutzstellung soll die Entwässerung und Umnutzung solcher Flächen verhindern. Ergänzend ist zu berichten, dass zwei Schmetterlingsarten, die Wiesenknopf-Ameisenbläulinge, in einer engen biologischen Abhängigkeit mit dem Großen Wiesenknopf und andererseits einer Wiesenameisenart stehen.

Blüte des Großen Wiesenknopfs (CM)

Die Schmetterlinge legen ihre Eier auf die Blütenköpfe der Pflanze und die Larven ernähren sich bis zum 4. Larvenstadium von den Blüten. Danach werden die Larven von den Ameisen in ihr Nest eingetragen. Dort stellt die Raupe ihre Ernährung um und wird von den Ameisen mit dem gleichen Nahrungsbrei ernährt wie die Ameisenlarven. Sie verpuppt sich dann und überwintert im Ameisennest. Der Falter schlüpft im Frühjahr des Folgejahres. Der gesamte Entwicklungsvorgang wird durch verschiedene Duftstoffe präzise gesteuert, damit die Larven, die Puppen und später der geschlüpfte Schmetterling von den Ameisen nicht als Nahrungsquelle erkannt werden. Dieser sehr interessante Entwicklungsgang ist erst seit wenigen Jahrzehnten bekannt und untersucht worden. Die beiden Schmetterlingsarten sind in Deutschland sehr selten und daher geschützt. Es handelt sich hierbei um zwei eurosibirische Arten mit einer Verbreitung bis weit nach Zentralasien hinein. In diesem weitläufigen Verbreitungsgebiet bestehen allerdings große Lücken, die nicht besiedelt werden. Diesen beiden Schmetterlingsarten die Lebensgrundlage zu erhalten ist besonders schwierig, da die Ansprüche der Futterpflanze und der Ameisenart auf derselben Fläche zu gewährleisten sind.

 

Zwar gilt der Große Wiesenknopf noch nicht als gefährdet, jedoch hat die intensivere Nutzung von Mähwiesen durch Düngung und Entwässerung zu erheblichen Flächenverlusten geführt. Die Art kann durchaus als Anzeiger für ökologisch wertvolles und artenreiches Grünland gelten. Deshalb sind die Naturschutzbehörden aufgefordert, verbliebene Flächen  zu sichern. In den großen Wiesenflächen Bad Schönborns kommt der Große Wiesenknopf an geeigneten Stellen noch vereinzelt vor. Ganz besonders freut uns, dass die Blume des Jahres sogar auf Wiesenflächen unseres Vereins wächst, die vom Tierpark für die Grünfuttergewinnung gemäht werden. Durch die naturverträgliche Nutzung finden neben dem Wiesenknopf noch zahlreiche weitere Blumen- und Tierarten hier einen wertvollen Lebensraum.

 

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März 2021

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Bad Mingolsheim e.V.

1. Vorstand Bertold Stahl

Ewald-Renz-Str. 17

76669 Bad Schönborn

 

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