Lurch des Jahres 2012 - Die Erdkröte

Männliche Erdkröte während der Wanderung am 09.03.2013, Pfarrwald Mingolsheim (CNM)

 

Die Erdkröte ist von Westeuropa und den Britischen Inseln über den Süden Skandinaviens bis zu den großen Sumpfgebieten östlich des Urals verbreitet. Im Süden ist sie von Italien über den Balkan bis in die nördliche Türkei nachweisbar. In Baden-Württemberg werden Tiefland- und Mittelgebirgslagen bis etwa 1000 m ü. NN besiedelt. In den fichtenreichen Hochlagen des Schwarzwaldes existieren große Verbreitungslücken, da hier essentielle Biotopelemente fehlen.

 

Die Erdkröte ist die größte einheimische Krötenart, erwachsene Weibchen erreichen etwa 8 cm Körperlänge, die Männchen nur ca. 6,5 cm. Der Körper ist gedrungen und seitlich am breiten Kopf sitzen die erhabenen Augen. Hinter den Augen befinden sich die beiden wulstigen Ohrendrüsen, die bei Gefahr ein übelriechendes Sekret absondern. Der Körper ist reichlich mit drüsigen Warzen bedeckt und graubraun gefärbt, am Bauch heller. Nur zwischen den Zehen der kurzen Hinterbeinen findet man Schwimmhäute. Die Erdkröte ist hauptsächlich in der Dämmerung sowie nachts aktiv und bewegt sich im Gegensatz zu den Fröschen kriechend fort.

 

Im zeitigen Frühjahr beenden die Erdkröten ihre Winterruhe und streben dem Laichgewässer zu. Oft findet bereits im Verlaufe dieser Wanderung eine Paarbildung statt, wobei das Männchen auf dem Rücken des Weibchens aufsitzt. Geeignete Laichgewässer sollten über eine dauerhafte Wasserführung verfügen. Röhricht, Schilf oder krautige Pflanzen im Uferbereich werden benötigt, um die Laichschnüre zu befestigen. Beispielhaft sind hier Weiher, Baggerseen sowie künstliche Teiche zu nennen. Wie bei allen Amphibien wirkt sich ein hoher Fischbesatz negativ auf den Fortpflanzungserfolg aus. Bei einer Wassertemperatur von über 6 Grad Celsius beginnt das Ablaichen, wobei ein Weibchen bis zu 6ooo Eier produzieren kann. Während nun die Alttiere in ihre Sommerquartiere abwandern, schlüpfen nach etwa 4 Wochen die Larven. Als Nahrung dienen hauptsächlich Algen.

 

Im Sommer ist die Umwandlung von der Kaulquappe zur fertigen Kröte abgeschlossen. Die kleinen Kröten sind nun ca. 15 mm groß und wandern bei feuchtwarmer Witterung in die Sommerquartiere, welche bis zu 3 km vom Laichgewässer entfernt liegen können. Als Nahrung der Kröten dienen Würmer, Schnecken und Kerbtiere verschiedenster Art. Die Männchen sind bereits nach 4 Jahren geschlechtsreif, die Weibchen ein Jahr später. In der Natur erreichen die Erdkröten ein Alter von 8—12 Jahren. Ende September suchen sie ihre Überwinterungsquartiere auf.

 

Die Feinde der Erdkröten sind zahlreich: Fische, räuberische Wasserkäfer, Libellenlarven und Enten stellen bereits den Kaulquappen nach. Die Kröten müssen sich vor Reiher, Storch, Iltis, Waschbär, Igel, Dachs und Wildschwein in Acht nehmen.

 

Im Verlaufe eines Jahres nutzt die Erdkröte verschiedene Biotope, wobei die massenhafte Zuwanderung in die Laichgewässer die größte öffentliche Aufmerksamkeit erhält. Alle Alttiere eines großen Einzugsgebietes streben einem Laichort zu und es entsteht der Eindruck, die Erdkröte sei besonders häufig. Dennoch ist der Rückgang der Art in allen Landesteilen belegt. Entscheidend ist der schleichende Verlust geeigneter Gewässer, z.B. durch Trockenlegung von Feuchtgebieten als Folge von Baumaßnahmen. Selbst wenn direkte menschliche Eingriffe unterbleiben, sind Kleingewässer oft durch Nährstoffeintrag und Verlandung bedroht. Der kontinuierliche Ausbau des Verkehrswegenetzes durchschneidet die Landschaft und damit auch die Landlebensräume. Zur Zeit der Krötenwanderung sind oft erhebliche Verluste zu vermerken. Sog. Krötenzäune sind arbeitsintensiv und werden in der Regel durch ehrenamtliche Naturschützer betreut. Die Einrichtung von sog. Krötentunnels haben nicht immer den erwarteten Erfolg. Die Anlage von Ausweichgewässern beidseitig der Straße hat sich bisher als die nachhaltigste Maßnahme erwiesen. Erhalt oder Schaffung von linearen Strukturen in der Landschaft, wie Hecken oder Gräben unterstützen das Zuwanderungspotential der Alttiere und sichern zudem den genetischen Austausch zwischen den Teilpopulationen. Gerade bei der Neueinrichtung von Laichgewässern sind Zuwanderungskorridore wichtig.

 

Auf dem Gebiet Bad Schönborns sind einige Ersatzlaichgewässer aus privater Initiative oder im Zuge des nun abgeschlossenen Flurbereinigungsverfahrens geschaffen worden. Auch unser Verein hat bereits vor 28 Jahren auf der Biotopfläche unterhalb des Vereinsheimes ein Laichgewässer angelegt, das von verschiedenen Amphibienarten angenommen wurde und in seinem Umfeld über geeignete Landlebensräume verfügt.

Termine

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